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Die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj)

Der Rahmen ist gesetzt, die Leinwand ist gespannt und die Farben sind angerührt. In das Kolossalgemälde "Jugendpastoral" können nun neue Szenen eingemalt und mit überlegt gesetzten Farbtupfern neue Akzente gesetzt werden.

Noch während die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge ihr 50-jähriges Bestehen feierte, arbeitete die Deutsche Bischofskonferenz an einem neuen Rahmen. Im Juni 1996 verabschiedete der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz eine neue Ordnung der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj). Zwischenzeitlich haben die alten und neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsstelle die Aufgabenstellung der einzelnen Referate beschrieben und die Farben "der Schwerpunktsetzung" miteinander abgestimmt. Die Themen der Szenenbilder sind durch die Ordnung der afj vorgegeben, der Reiz liegt in der Ausgestaltung und Farbgebung.

Die Ordnung der afj beschreibt den Auftrag der Arbeitsstelle unter anderem in folgenden Aufgabenbereichen:

  • Förderung, Koordination und Entwicklung der Jugendseelsorge und der kirchlichen Jugendarbeit;
  • Unterstützung der Jugendseelsorge und Jugendarbeit der Diözesen, Orden, der katholischen Jugendverbände sowie weiterer Träger kirchlicher Jugendarbeit;
  • Beobachtung und Begleitung neuerer Entwicklungen in der Jugendseelsorge;
  • Förderung des Erfahrungsaustauschs zwischen den verschiedenen Trägern kirchlicher Jugendarbeit und Vermittlung von Anregungen für die Praxis;
  • Unterstützung und Förderung der Begegnung der katholischen Jugend auf übernationaler Ebene;
  • Erledigung der Aufgaben des Sekretariats der Jugendkommission gemäß Geschäftsordnung der Deutschen Bischofskonferenz;
  • Durchführung der Jahreskonferenz Jugendseelsorge
  • Geschäftsführung der bei der Jugendkommission bestehenden Arbeitskonferenz Jugendseelsorge.
Um in der Vielfältigkeit der Aufgabenstellung mehr als nur ein buntes, vieldeutiges Gekritzel auf die Leinwand zu bringen, haben wir in den unterschiedlichen Referaten und Projekten die Farbgebung miteinander abgestimmt. Die folgenden sechs Thesen zur Jugendpastoral sind Grundlage für eine Schwerpunktsetzung und Konzentration der Arbeit der afj:
  1. Gesellschaftliche Veränderungsprozesse
    Kirchliche Jugendarbeit ist im Horizont der gesellschaftlichen Veränderungsprozesse mit einer sich ständig wandelnden Jugendsituation konfrontiert. Eine Situation, die bei erfolgter Analyse oft bereits überholt ist. Gleichwohl kann auf Situationsanalysen der Gesellschaft und der Jugend in ihren je unterschiedlichen Lebenslagen und insbesondere der Religiosität junger Menschen nicht verzichtet werden. Die afj möchte unter anderem in Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie für Jugendfragen ein größeres Forschungsprojekt zur Religiosität junger Menschen anstoßen.


  2. Sinnsuche
    Die Orientierung in einer pluralen und differenzierten Gesellschaft fordert subjektive Sinnkonstruktionen in eigener Entscheidung. Dieser Trend zur selbst-verantworteten Sinnkonstruktion macht sich auch in der religiösen Dimension kirchlicher Jugendarbeit bemerkbar. Die synkretistische Auswahl unterschiedlichster Sinnelemente ist ein Kennzeichen der Moderne. Die Suche nach dem "religiösen Erlebnis" und der religiösen Deutung der eigenen Erfahrungen nimmt zu, während gleichzeitig das Glaubenswissen, die Vertrautheit mit biblischen und kirchlichen Glaubensinhalten sinkt. Auf diesem Hintergrund steht kirchliche Jugendarbeit auch vor der Herausforderung die Identität des christlichen Glaubens zu sichern. Wie in der kirchlichen Jugendarbeit das "Erleben" der Jugendlichen mit biblischer Sinndeutung sinnstiftend verbunden werden kann ist eine der Schlüsselfragen der geistlichen Leitung in den Verbänden und der Spiritualität der Jugendverbände. Bei den Suchbewegungen in den Verbänden bietet die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge gern ihre Unterstützung an.


  3. Jugend am Rande
    Bei einer nüchternen und nicht mittelschichtsorientierten Betrachtung der Lebenssituation junger Menschen dürfen die "Modernisierungsverlierer" nicht ausgeblendet werden. Kirchliche Jugendarbeit trifft in der Jugendsozialarbeit, in der Erziehungshilfe und in der Arbeit vieler Treffpunkte und Offener Türen eine Option für die Jugend am Rande. Dieser Dienst der Kirche an der Jugend der Gesellschaft braucht eine deutliche innerkirchliche Wertschätzung.


  4. Solidarität
    Angesichts der Schattenseiten gesellschaftlicher Individualisierungsprozesse geht es in der Jugendpastoral um die Erziehung des Menschen als solidarischem und solidarisch handelndem Subjekt. In anderen europäischen Ländern und den dortigen Jugendgemeinschaften ist die konkrete Übernahme sozialer Dienste ein Wesensmerkmal der verschiedenen Gemeinschaften junger Christen. Solche Motive des diakonischen oder solidarischen Handelns entdecken wir bei jungen Menschen z.B. bei der Übernahme des Zivildienstes, des Freiwilligen sozialen Jahres oder im vielfältigen Engagement als Gruppenleiter und Gruppenleiterin in den kirchlichen Jugendverbänden. Nicht nur die geforderte sondern vor allem die gelebte Solidarität wird zukünftig ein bestimmendes Merkmal kirchlicher Jugendpastoral sein.


  5. Option für die Jugend
    Eine kirchliche Option für die Jugend ist mittlerweile angesichts der sich verschärfenden intergenerationellen Verteilungskämpfe und der bedrohten globalen Zukunft überfällig geworden. Eine innerkirchliche Option für Jugend muß den jungen Christen auch einen eigenständigen Beitrag für die Weiterentwicklung und Zukunftsfähigkeit der Kirche zutrauen. Die Ermöglichung der von jungen Menschen gesuchten Zugehörigkeit fordert von der Gesellschaft wie von der Kirchengemeinde die Öffnung für Mitsprache und Mitentscheidung. Die Jugendpastoral hat auf Rahmenbedingungen aufmerksam zu machen, die jungen Menschen eine Beheimatung und Zugehörigkeit in unseren Kirchengemeinden ermöglichen.


  6. Glaubensbildung
    Wie die Aneignung des biblischen und kirchlichen Glaubens unter den Bedingungen der Moderne mit jungen Menschen gelingen kann ist eine der Schlüsselfragen der Jugendseelsorge. In diesem Themenfeld wird zukünftig ein deutlicher Schwerpunkt der Arbeit der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge liegen. Glaubensbildung als Aneigungsprozeß berücksichtigt die unterschiedlichen Dimensionen jugendlicher Religiosität. Sie fragt nach der religiösen Sensibilität junger Menschen und hilft religiöse Ausdrucksformen zu entwickeln. Bei der unterschiedlichen religiösen Sprachfähigkeit von jungen Menschen, wird die Auseinandersetzung mit religiösen Inhalten wichtig werden, um die Identität des Christlichen zu sichern und neu zu bestimmen. Die Glaubensbildung darf sich aber nie von der Frage nach der religiös motivierten Lebensgestaltung lösen. In diesem Sinne gilt es, mit jungen Menschen die Glaubenswege der Kirche zu erschließen und ihnen gleichzeitig Weggefährtenschaft auf ihren persönlichen Glaubenswegen anzubieten.
Die sechs Thesen sind erste Akzentsetzungen. Wir freuen uns darauf, in nächster Zeit diese Skizzen in Beratung mit unseren Kooperationspartnern und den Bischöfen der Kommission Jugend zu hoffentlich anschaulichen Bildern auszugestalten.

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