Texte zur Wallfahrt 2010

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MEDITATION  -  04.08.2010
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Meditation bei der Ministrantenwallfahrt in Rom
"Jesus sagte zu der Frau: Gib mir zu trinken!"


Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger
aus: Vorprogramm der Generalaudienz am 04.08.2010

Das Thema der Romwallfahrt lautet: „Aus der wahren Quelle trinken.“  Es stammt aus der berĂŒhmten Geschichte im Johannesevangelium, wo Jesus am Brunnen eine Frau aus Samarien trifft. Ein Jude wĂŒrde nie mit einer Samariterin reden. Jesus setzt sich aber darĂŒber hinweg, denn es geht ihm um den Menschen, ja um alle Menschen. Wie der weitere Verlauf des GesprĂ€chs deutlich macht, gibt Jesus uns Menschen zu trinken, also das Lebenselixier, damit wir hier und
in Ewigkeit leben. Wir dĂŒrfen also zu Jesus sagen: „Gib mir zu trinken!“

Was ist aber gemeint, wenn wir zu Jesus sagen: „Gib mir zu trinken!“? Was bedeutet es denn, wenn wir sagen, Jesus ist die Quelle des Lebens?

Ich möchte dazu eine Geschichte erzÀhlen. Es ist eine Geschichte, welche sich auch tatsÀchlich so zugetragen hat. Eine Ordensfrau, welche viele Jahrzehnte in Afrika auf einer AussÀtzigenstation gearbeitet hat, erzÀhlte diese Begebenheit.

Die Kranken auf dieser Station waren alle hoffnungslos krank und sie waren hoffnungslos. In ihren Augen leuchtete keine Hoffnung und Lebensfreude mehr, mit Ausnahme eines Mannes. Er war genauso todkrank, aber seine Augen leuchteten immer noch. Alle wunderten sich ĂŒber ihn. Die Schwester wollte dem Geheimnis dieses Mannes auf die Spur kommen und beobachtete ihn genauer. Eines Tages um die Mittagszeit sah sie, wie er auf den Hof  hinausging und auf eine bestimmte Stelle der Mauer sah, welche das ganze Areal umgab. Plötzlich tauchte ĂŒber der Mauer ein Frauengesicht auf. Beide sahen sich eine Weile stumm an, dann verschwand das Frauengesicht wieder hinter der Mauer. Der Mann drehte sich um und sah die Schwester. Er erzĂ€hlte ihr seine Krankengeschichte:
Als er krank geworden war, hat ihn seine Frau mit Salbe eingeschmiert. Sie konnte ihn dann nicht mehr pflegen. Er musste hierher. Aber seine Frau ist ihm nachgezogen. Und er sagte weiter: „Jeden Tag um dieselbe Zeit, an derselben Stelle der Mauer zeigt sie mir ihr Gesicht und sie schaut mich an. Davon lebe ich!“

Der Mann lebt davon, dass seine Frau ihn anschaut. Der von seiner Krankheit Gezeichnete hat bei seiner Frau immer noch Ansehen. In diesem Blick kommt ihre Liebe zu ihm zum Ausdruck.

Nicht nur der Mann lebt davon, dass er Ansehen hat, sondern genauso auch wir. Wir brauchen auch Ansehen, WertschÀtzung und Liebe. Dies fÀllt uns meistens nicht auf, weil wir es ganz selbstverstÀndlich haben in unserer Familie und im Freundeskreis. Es wird uns erst bewusst, wenn es nicht mehr so ist.

In den Evangelien wird oft gesagt, dass Jesus Menschen anschaut. Keinen schließt er von seiner Liebe und seinem Ansehen aus. Deutlich wird das in der Geschichte mit dem Oberzöllner ZachĂ€us. Er sitzt auf dem Baum, Jesus geht nicht vorbei, sondern er schaut hinauf und lĂ€dt sich bei ihm zum Essen ein. Dies berĂŒhrt und verĂ€ndert den ZachĂ€us so, dass er ein anderer, besserer Mensch wird.

Jesus als die Quelle des Lebens ist der, welcher uns mit Liebe anschaut. Wir haben bei Gott WertschĂ€tzung und Ansehen, oder anders ausgedrĂŒckt: Bei Gott sind wir wer, fĂŒr Gott sind wir sehr wichtig. Dies gilt nicht nur jetzt und hier, sondern ĂŒber den Tod hinaus. Gott schenkt uns Leben in Ewigkeit. Dies gibt uns Kraft und auch Selbstbewusstsein auf dem Weg unseres Lebens.

Darin liegt aber auch unser Auftrag: Was wir von Gott erfahren, das sollen wir weitertragen: Menschen Ansehen schenken, ihnen mit Respekt und WertschÀtzung begegnen. Dazu wird jede und jeder von uns gebraucht.




Gebet:

Herr Jesus Christus,
Du bist die Quelle des Lebens fĂŒr uns.
Du gibst uns Leben in FĂŒlle,
Leben hier auf Erden und Leben ĂŒber den Tod hinaus.
Du schenkst uns Deine Liebe und Deine Zuwendung.
Bei Dir haben wir Ansehen, so dass wir sicher und getragen den Weg des Lebens gehen können.
Du sendest uns aber auch in unseren Alltag, um diese Liebe und Zuwendung weiterzugeben.
Du brauchst uns als Deine JĂŒngerinnen und JĂŒnger,
um Dein Werk heute zu tun.
Lass uns wie Du Liebende sein und mit Deiner Kraft die Welt verÀndern
und als Ministrantinnen und Ministranten Deine Zeugen sein.
Amen.


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